Streicht Disney die neue „Star Wars“ Trilogie aus dem Kanon?

Und wird es auch bei den „Star Wars“ Erzählungen zukünftig gar ein sogenanntes Multiverse geben in dem verschiedene alternative Storylines parallel nebeneinander existieren? Glaubt man den Gerüchten, die derzeit um Lucasfilm brodeln, besteht diese Möglichkeit durchaus. Aber bevor alle Fans, die „Das Erwachen der Macht“, „Die letzten Jedi“ und „Der Aufstieg Skywalkers“ nicht so wirklich gut fanden, jetzt anfangen zu feiern, sollte man sich dazu wohl erst einmal alle Details anschauen.

Aber mal ganz von vorne. Bereits circa ein Jahr vor dem Erscheinen von „Star Wars“ Episode IX „Der Aufstieg Skywalkers“ hatte ein Aprilscherz von Olly Wood News für Furore und heftige Diskussionen unter den Fans gesorgt, in dem es seinerzeit hieß, Lucasfilm Präsidentin Kathleen Kennedy habe die gesamte „Star Wars“ Prequel-Trologie als nicht-kanonisch erklärt und man werde die Geschehnisse vor Episode IV neu erzählen und zwar in Form sogenannter Spin-Off-Filme (wie „Solo – A Star Wars Story“). Einen besseren Indikator für den Zustand des Nervenkostüms der Fans hätte es kaum geben können. Dann kam Episode IX in die Kinos, ein Film der laut Regisseur J.J. Abrams alle Fans früherer „Star Wars“ Erzählungen vereinen und die Skywalker-Saga zu einem würdigen Abschluss bringen sollte. Und die Fans waren nach wie vor nicht begeistert.

The Good, The Bad and The Utterly Incoherent – die drei bisherigen „Star Wars“ Trilogien in a nutshell. Es gab so viele Aspekte an den letzten drei „Star Wars“ Episoden, die Fans wie professionelle Filmkritiker gleichermaßen irritierten und gegen die Macher aufbrachten, dass es schwer fällt, diese allesamt einigermaßen übersichtlich aufzuzählen. Daher hier nur ein paar der wichtigsten Punkte: Unglaubwürdige Figuren ohne Seele und charakterliche Entwicklung, eine Story, bei der die Regisseure der drei Episoden nicht miteinander sondern offensichtlich sogar gegeneinander gearbeitet haben, Slapstick-Humor, der vor allem in Hinblick auf die dunkle Seite der Macht völlig unangemessen wirkte und Szenen über Szenen, die elementare Bestandteile des bisherigen „Star Wars“ Kanons auf den Kopf stellten.

Am Ende floppte erst „Solo – A Star Wars Story“ bitterlich und auch wenn Episode IX dann wohl an sich noch gut Geld verdient hat, ist seither der Handel mit den zugehörigen Merchandise-Artikeln und vor allem dem „Star Wars“ Spielzeug stark eingebrochen. Bob Iger, der damalige Disney-Boss stoppte daraufhin kurzfristig alle weiteren „Star Wars“ Aktivitäten seines Unternehmens und nur wenige wurden bis dato wiederbelebt. Eines der Projekte, die zwischenzeitlich das Licht der Welt erblickt haben und wieder an alte Erfolge anknüpfen konnten, war „The Mandalorian„, eine TV-Serie mit echten Schauspielern, die sehr erfolgreich den Start des Streamingdienstes Disney+ einleitete. Showrunner der Serie ist kein geringerer als Regie-Veteran Jon Favreau und hier beginnen nun die aktuellen Gerüchte interessant zu werden.

War es vor allem Kathleen Kennedys Entscheidung, die jüngsten „Star Wars“ Episoden in die Hände von eher experimentierfreudigen Regisseuren wie Rian Johnson zu legen, wählte Favreau für „The Mandalorian“ eine Riege aus überzeugten „Star Wars“ Veteranen wie Dave Filoni („Star Wars Rebels“) beziehungsweise Newcomern wie Bryce Dallas Howard (der Tochter von Ron Howard) oder Taika Waiti, der schon bei Marvel bewiesen hatte, dass er mit einem großen Franchise umzugehen weiß. Favreau und Kennedy stehen auch für einen sehr unterschiedlichen Arbeitsstil. Kennedy gilt als jemand, der selten am Set auftaucht und eher aus der Ferne Einfluss nimmt, während Favreau als Macher zwar immer auch in der ersten Reihe zu finden ist und seine Vision für das finale Produkt vertritt, seinen Leuten dabei aber dann doch größtenteils noch freie Hand lässt. Glaubt man den Gerüchten, kämpfen diese beiden derzeit um den Vorsitz bei Lucasfilm. Kennedy ist in Ungnade gefallen, Favreau (der Disney bereits an anderer Stelle viel Geld verdient hat und von den Fans geliebt wird) könnte sie beerben.

Jetzt ist das mit der #FandomMenace, wie sich die besonders kritischen „Star Wars“ Fans sogar selbst bezeichnen, so eine Sache. Da wird oft Wunschdenken als Basis genommen und jegliches Indiz, das einigermaßen passt, als Beweis für für diese Theorien betrachtet. CosmicBook.news berichtet aktuell nun sogar davon, dass es einen kompletten Reset hinsichtlich der Fortsetzung der Skywalker-Saga geben könnte. Die Episoden VII bis IX würden dann mit neuer Story noch mal gedreht und zukünftig als alternative Zeitleiste neben den bisherigen Filmen koexistieren. Erinnert ein wenig an den oben genannten Aprilscherz? Ja, durchaus! Aber mit dem entscheidenden Unterschied, dass als Quelle ein YouTuber namens Doomcock Overlord [sic!] genannt wird, der tatsächlich ein „Star Wars“ Kenner mit Insiderwissen zu sein scheint, was er in der Vergangenheit schon des öfteren unter Beweis gestellt hat.

Seiner Kenntnis nach solle das „Star Wars“ Franchise durch diese sehr drastische Maßnahme von Seiten Disneys gerettet werden. Denn die Fans sind ja nach wie vor alles andere als zufrieden. Helfen soll den Verantwortlichen dabei ein Konzept aus dem Ende der vierten Staffel der „Star Wars Rebels“ Trickfilmserie [ACHTUNG: SPOILER!]. In Episode 13 mit dem Titel „Die Offenbarung“ (Original „A World Between Worlds„) entdeckt der machtsensitive Ezra Bridger in einem inzwischen zerstörten Jedi Temple ein Portal zu einer seltsamen Dimension, die als der ‚Schleier der Macht‘ bezeichnet wird und auf diversen unterschiedlichen Pfaden verschiedene Varianten von Zeit und Raum verbindet. Ezra rettet dann Ahsoka Tano und widersteht dem Wunsch auch seinen ehemaligen Meister zu retten und ist letztlich gezwungen dieses übermächtige Werkzeug der Macht (oder zumindest den Zugang dazu) zu zerstören.

Doomcock spekuliert nun auf Basis der ihm vorliegenden Gerüchte und Indizien, dass Imperator Palpatine seinerzeit auf dem zweiten Todesstern einen ‚Raum der Spiegel‘ hatte und die Spiegel darin, die von früheren Imperatoren hergestellt worden waren, auch ihm den Zugang zum ‚Schleier der Macht‘ ermöglichten. Als Darth Vader ihn dann mit Lukes Hilfe am Ende von „Die Rückkehr der Jedi Ritter“ besiegte, starb Palpatine nicht sondern öffnete noch während des Falls in den Schacht unter seinem Thronsaal einen alternativen Zugang zum ‚Schleier der Macht‘. Das brachte ihm zusätzliche Verletzungen ein, die die Zuschauer in der Schluss-Sequenz von „Der Aufstieg Skywalkers“ bemerkt haben dürften und für die es bislang kaum eine brauchbare andere Erklärung gab. Denn auch auf Exegol hat(te) der Imperator einen ähnlichen Spiegelraum, über den er den ‚Schleier der Macht‘ wieder verlassen konnte.

Alles, was es somit bräuchte, um Palpatines Flucht nach Exegol (und damit die kompletten Geschehnisse der letzten Trilogie) zu verhindern, wäre ein Jedi (möglicherweise Luke), der den ‚Schleier der Macht‘ genau in dem Moment betritt, in dem auch der Imperator dort auftaucht und diesen tötet. Damit wäre das vollendet, wofür Luke und sein Vater bereits in „Die Rückkehr der Jedi Ritter“ gekämpft haben und der Weg für eine komplett neue Storyline geebnet. Ray würde nie geboren werden, es gäbe keine Erste Ordnung und auch die Schicksale der anderen neuen Charaktere (Finn, Rose, Poe, etc.) wären wieder komplett offen. So offen, dass man sich ihnen womöglich nie wieder widmen würde.

Das Spiel mit Zeitreisen, alternativen Zeitsträngen und einem Multiversum verschiedener paralleler Geschehnisse ist immer gefährlich. Während solche Überlegungen in Comic-Geschichten durchaus üblich sind und ein Spiderman Multiverse-Hollywoodfilm sogar einen Oscar gewinnen konnte, sind ähnliche Gedankenspiele in anderen Franchises eher verpönt und werden vom Publikum häufig auch nicht geschätzt. Neill Blomkamp war mit seinem Projekt einer Alternative zu „Alien³“ seinerzeit gescheitert, obwohl es sowohl um Finchers Debut vor Release doch so große Querelen gegeben hatte und auch die Fortsetzung „Alien: Die Wiedergeburt“ unter vielen Fans als der schlechteste Teil der Serie gilt. J.J. Abrams hatte bei seinem „Star Trek“ Reboot die sogenannte Kelvin-Timeline erschaffen, die vom weltweiten Publikum auch nur bedingt mit offenen Armen aufgenommen worden war. Dabei waren die Fans hier ohnehin schon durch die Streitigkeiten zwischen CBS und Paramount gebeutelt, die seit 2006 getrennte Wege gegangen waren und jeweils unterschiedliche Rechte an „Star Trek“ hielten. Inzwischen ist das aber zum Glück Geschichte.

Was nun mit dem „Star Wars“ Universum letztlich wirklich passieren wird, lässt sich noch nicht sagen. Es bleibt auf jeden Fall spannend und Disney würde mit einem möglichen Reset des Franchise wohl wirklich einen Präzedenzfall schaffen, dessen Auswirkungen wir alle auch noch in einigen Jahren zu spüren bekommen werden – nicht nur als „Star Wars“ Fans sondern generell.

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