„Nemesis“ Brettspiel-Review und Ankündigung des „Lockdown“ Addons

Seit gestern ist die Kickstarter Kampagne zum „Lockdown“ Standalone-Addon zu Awaken Realms Tabletop-Hit „Nemesis“ live geschaltet. Nicht einmal zehn Minuten hatte es gedauert, bis das von den Entwicklern gesteckte Finanzierungsziel von 44.466 Euro erreicht war. Heute, am zweiten Tag der Kampagne von insgesamt 20, wurde bereits die 2,5-Millionen-Euro-Grenze geknackt. Ein Grund für einen solchen doch eher selten gesehenen Erfolg, der gestern zeitweise sogar die komplette Kickstarter Seite lahmgelegt hat, ist sicherlich die Tatsache, dass Unterstützer des Projekts noch einmal Zugriff auf alle Stretchgoals des ursprünglichen Spiels erhalten.

Kickstarter Timeout

Grund genug für uns, mal einen detaillierteren Blick auf das Hauptspiel „Nemesis“ zu werfen, welches im Januar 2018 ebenfalls als Crowdfunding-Projekt an den Start ging und dessen letzte Addons aus der damaligen Kampagne erst Anfang dieses Monats an die Backer ausgeliefert worden waren.

Review: „Nemesis“

[KATEGORIE] Tabletop
[SPIELTYP] Semi-kooperatives Strategiespiel
[SPIELERANZAHL] geeignet für Spielrunden mit 1 bis 5 Spielern (idealerweise: 3 oder 4 Spieler)
[GEEIGNET AB] 12 Jahren (in Einzelfällen sicherlich auch schon ab 10)
[DAUER] Einstiegsrunden dauern locker drei Stunden und mehr, erfahrene Spieler schaffen eine Session auch in 90 Minuten

[WORUM GEHT’S?] Im Weltraum hört Dich keiner schreien. Die Spieler verkörpern die Besatzung eines Raumschiffes und erwachen mit partieller Amnesie aus dem Kryoschlaf. Irgendetwas an Bord ist passiert, große Teile des Schiffs sind außer Betrieb und es sind seltsame Geräusche zu hören. Ist da während des Kryoschlafs etwas an Bord gekommen? Wenn sich die Crew doch bloß erinnern könnte, für was welcher Raum an Bord doch gleich noch gedacht war. Auf geht’s zur Erkundung des Schiffs … oh, was kommt denn da durch den Luftschacht?

Nemesis

[WIE WIRD’S GESPIELT?] Die Spieler wählen zu Beginn einen Charakter und zwei persönliche Ziele. Dann liegt es an ihnen, wie sehr sie mit ihren Mitspielern zusammenarbeiten wollen, um diesen Vorfall gemeinsam zu überleben. Vorderstes Ziel dürfte es sein, den Zustand des Schiffs zu erkunden, wozu unter anderem gehört, den Status der drei Triebwerke zu checken und das in den Navigationscomputer einprogrammierte Ziel. Doch wie sehr können sich die Spieler untereinander trauen? Eine gesunde Portion Paranoia hilft sicherlich beim Überleben, denn wer weiß schon, ob das Ziel des Spielers links von einem nicht ist, alle anderen Spieler den Außerirdischen zum Fraß zu überlassen? Der Spieler rechts von einem könnte den Kurs des Schiffes zum Mars umlenken, was außer ihm sonst keinem nützt. Zu überleben kann außerdem bedeuten, sich mit einer Rettungskapsel abzusetzen und die restliche Crew an Bord zurückzulassen, während dort fröhlich der Selbstzerstörungsmechanismus herunterzählt. Ach ja, der Zeitdruck bei der Erkundung des Schiffs und dem Aufdecken aller Geheimnisse ist generell nicht zu unterschätzen. Nach 15 Runden ist das Spiel zu Ende. Wurde die Selbstzerstörung aktiviert, dauert es ggf. sogar noch kürzer. Und dann wird geschaut, wer nicht auf der Strecke geblieben ist. Letzteres kann durchaus auch solchen Spielern noch widerfahren, die an sich alles richtig gemacht haben. Wenn man sich beim zwischenzeitlichen Zusammentreffen mit den Aliens nämlich infiziert hat, warten im neuerlichen Kryoschlaf alles andere als süße Träume. Aber keine Sorge, meist bedeutet eine Konfrontation mit den Außerirdischen früher oder später ohnehin den Tod … oder zumindest heftige Verletzungen. Zum Glück gibt es Schießeisen und Medipacks … und ein Labor, in dem man Kadaver, Eier und menschliche Leichen untersuchen kann, um Schwachstellen der Eindringlinge herauszufinden. Nicht immer ist der Spieler mit der dicksten Knarre somit am wertvollsten für das Team.

[WARUM SPIELEN?] Von Anfang an lebt „Nemesis“ davon, dass die Spieler an sich aufeinander angewiesen sind, sich aber eben gerade nicht vollends vertrauen können. Awaken Realms spricht immer von der besonderen „Cinematic Experience“ des Spiels und Spieleentwickler Adam Kwapiński meint damit, dass sich eine Spielrunde im Endeffekt anfühlt wie das Ansehen eines Films der klassischen „Alien“-Reihe. Und man muss sagen, dies ist ihm und seinen Kollegen wirklich gut gelungen. Zu keinem Zeitpunkt kommt Langeweile auf. Die Regeln sind komplex genug, um ein solches Setting perfekt zu simulieren und gleichzeitig aber so simpel, dass man sie schnell verinnerlicht hat und nicht ewig in dem ansonsten sehr gut verfassten Regelwerk blättern muss. Besonders betonen muss man die tolle Ausstattung des Spiels mit speziellen Würfeln, Markern und nicht zuletzt den großartigen Figuren. Wer mehr als nur die Grundbox kauft, erhält bis zu zehn verschiedene spielbare Charaktere, zwei Raumschiff-Layouts plus ein kleineres Schiff im „Aftermath“ Addon, sowie zwei zusätzliche Alien-Rassen (neben den „Intruders“ aus dem Grundspiel noch die „Voidseeders“ aus der Stretchgoals-Box und die „Carnomorphs“ aus der entsprechenden Erweiterung, jeweils mit eigenen Eigenschaften und Regeln). Exklusiv über Kickstarter konnte man außerdem auch komplett handbemalte Spielfiguren kaufen oder die sogenannte Sundrop-Edition, in der die Figuren zumindest einen speziellen farblichen Touch erhielten (und man nicht sein Haus für den Aufpreis verpfänden musste). Vieles davon kehrt jetzt mit der „Lockdown“-Kampagne auch noch einmal für begrenzte Zeit zurück. „Nemesis“ und einige der Erweiterungen kann man zwar auch hierzulande im Handel erwerben, aber die Kickstarter-exklusiven Addons waren den einstigen Unterstützern vorbehalten.

[VERLAG] Awaken Realms
[AUTOR] Adam Kwapiński
[PREIS] ca. 130,- Euro im Handel für die Grundbox, Erweiterungen kosten extra

[BEWERTUNG] ֍֍֍֍֍ (5 von 5 Sternen)

Carnomorphs, Intruders und Voidseeders

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